Johannes Fabrick: Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung

Spielfilm Deutschland 2019, Buch und Regie: Johannes Fabrick, in der ARD-Mediathek verfügbar bis 11.8.2019

Der Spielfilm Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung des Drehbuchautors und Regisseurs Johannes Fabrick beschäftigt sich mit dem Phänomen der falschen Erinnerungen. In einem ARD-Interview berichtet Fabrick, wie ihn sein allgemeines Interesse an Psychologie und Gehirnforschung zu den Arbeiten von u.a. Julia Shaw geführt hat.

Für seinen Film wählte Fabrick das Format des Fernsehkrimis, wenngleich der Film nicht dem typischen Schema des Kriminalfilms entspricht: Es gibt keine ermittelnden Polizeibeamten (nur einen Privatdetektiv) und auch keine Leiche. Dennoch ist der Film, gerade auch wegen des psychologischen Hintergrundes, hochgradig spannend.

Die Rahmenhandlung ist einfach. Ein junges Mädchen gerät unter den Einfluss einer Sekte, wo in einer Traumatherapie falsche Erinnerungen an einen Missbrauch durch den Vater erzeugt werden. Die Hauptperson, der Ermittler Hartwig Seeler (dargestellt von Matthias Koeberlin), forscht im Auftrag des Vaters nach der verschwundenen Tochter.

Was er herausfindet, fesselt und bedrückt in gleicher Weise. Nach und nach kommt Seeler den Mechanismen, die der Erzeugung falscher Erinnerungen zugrunde liegen, auf die Spur und erlebt die drastischen Folgen der erhobenen Beschuldigungen. Geradlinig werden diese Mechanismen dargestellt: Vom „Einfangen“ potentieller Klienten – in der Regel Menschen, die verzweifelt eine Lösung ihrer Probleme suchen – über die suggestive Beeinflussung unter Hypnose bis hin zur vollständigen, teils aggressiven Abschirmung gegen die vermeintlichen Täter. Sehr gut dargestellt ist auch die Reaktion der Umgebung, allen voran der fälschlich beschuldigte Vater. Zu Anfang seine bodenlose Fassungslosigkeit, gefolgt von dem verzweifelten, aber vergeblichen Bemühen um Richtigstellung gegenüber der Tochter. Schließlich das Akzeptieren der Tatsache, dass die Tochter tatsächlich ihre Erinnerungen für unumstößlich wahr hält. Und am Ende dann doch der Versuch einer Annäherung zwischen Vater und Tochter. Keine Auflösung, wie man sie sich für den Vater und auch für die Tochter wünschen würde, aber ein Hoffnungsschimmer.

Ein sehr sehenswerter Film, außerhalb des gewohnten Krimi-Klischees, der exemplarisch das Erzeugen falscher Erinnerungen und die Folgen für alle Beteiligten zeigt. Viele von solchen falschen Beschuldigungen Betroffene werden selbst Erlebtes in dem Film wiederfinden.