Gerichtsurteile und Rechtsfragen

Rechtsanwälte zu Falschbeschuldigungen in Sexualstrafsachen

Die Hamburger Anwälte Mirko Laudon und Dr. jur. Sascha Böttner und der Münchner Anwalt Dr. Alexander Stevens sind besorgt über die ständige Zunahme von Falschbeschuldigungen bei Sexualstraftaten. Der Hamburger Anwalt Mirko Laudon erwähnt dabei neben den häufigen absichtlichen Beschuldigungen auch die Fälle, bei denen viele Jahre nach der angeblichen Straftat die Beschuldigung im Zusammenhang mit psychischen Störungen und Therapien auftaucht. Alle drei Anwälte geben nützliche Hinweise zum Verhalten bei Falschbeschuldigung. Hier die Links zu den Aufsätzen:

Aktuelle Gerichtsentscheidungen

Revision gegen Urteil wegen fehlerhafter Beweiswürdigung stattgegeben

Der Bundesgerichtshof hat in einer Entscheidung vom 20.05.2015 der Revision gegen eine Urteil des Landgerichts Gießen stattgegeben. In dem Spruch des Landgerichts war der Angeklagte zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe wegen sexuellen Missbrauchs an mehreren Personen verurteilt worden. Der BGH hob dieses Urteil in der Revision auf, weil das Gericht Widersprüche in den Aussagen der Zeugen bzw. Nebenkläger nicht berücksichtigt hatte und Pseudoerinnerungen auf Grund der Aussagenqualität der Zeugen ausgeschlossen hatte. Da aber die Zeugen psychotherapeutisch behandelt worden waren und suggestive Einflüsse nicht auszuschließen waren, und da Scheinerinnerungen nicht an der Aussagequalität erkennbar sind, stellte der BGH eine fehlerhafte Beweiswürdigung fest und verwies den Fall zur neuen Beurteilung an eine andere Kammer des Landgerichts Gießen zurück.

56jähriger Vater freigesprochen

Ein 56jähriger Vater, der sich an False Memory Deutschland gewandt hatte, wurde von seinem 30jährigen Stiefsohn aufgrund falscher Erinnerungen zu Unrecht des schweren sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Zuerst erpresste ihn sein Stiefsohn zur Zahlung eines erheblichen Geldbetrags. Als der Vater nicht willens war, zu zahlen, verklagte ihn sein Stiefsohn. Jetzt wurde er nach 16 Prozesstagen freigesprochen. Sogar der Staatsanwalt hatte Freispruch beantragt.

80jähriger Rentner freigesprochen

Ein 80jähriger Rentner, der von seiner Enkeltochter 12 Jahre nach den angeblichen Vorgängen erstmalig des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurde, hatte sich an False Memory Deutschland um Hilfe gewandt. Beratungsgespräche hatten gezeigt, dass es sich offenbar um eine Falschbeschuldigung aufgrund falscher Erinnerung handelt. FMD konnte dem Beschuldigten einen in diesen Fragen versierten Anwalt nennen, der seine Verteidigung übernahm. Am 10. Januar 2014 wurde der Rentner freigesprochen. Die heute 23jährige Enkelin leidet unter einer psychischen Störung. Sie verwickelte sich in der Gerichtsverhandlung so sehr in Widersprüche, dass sogar der Staatsanwalt Freispruch beantragte. Berichte über den Prozess erschienen im Westfalen-Blatt am 19.12. und 21.12.2013 sowie am 11.01.2014.